Polizei räumt in Lissabon Protestlager gegen Wohnungsnot - 55 Festnahmen
In Portugal hat die Polizei ein Protestcamp gegen die Wohnungskrise geräumt und 55 Menschen festgenommen. Im Morgengrauen seien Dutzende Zelte auf dem Rossio-Platz im Herzen von Lissabon beschlagnahmt worden, teilte die Polizei am Dienstag mit. Die Protestteilnehmer bildeten eine Menschenkette, um den Einsatz zu verzögern. Dabei kam es den Aufnahmen örtlicher Fernsehsender zufolge zu Zusammenstößen. Zwei Menschen wurden leicht verletzt.
Die Polizei erklärte, die "Anwendung von Gewalt" sei "durch die konkreten Umstände des Einsatzes gerechtfertigt gewesen", da sich einige Demonstranten geweigert hätten, den Ort zu verlassen. Die Gewaltanwendung habe sich jedoch "auf das notwendige Minimum beschränkt".
"Die festgenommenen Personen wurden auf Polizeireviere gebracht und werden so bald wie möglich der zuständigen Justizbehörde vorgeführt", teilte die Polizei mit. Die Ordnungskräfte hätten "228 Zeltstrukturen" beschlagnahmt.
Die Aktivisten verkündeten jedoch, ihren Protest fortzusetzen und kündigten an, sich in den nächsten Stunden erneut auf dem zentralen Platz niederzulassen.
Offiziellen Zahlen zufolge sind die Mieten in Portugal binnen zehn Jahren um 124 Prozent angestiegen. Das ist etwa doppelt so stark wie der EU-Durchschnitt. Besonders betroffen sind junge Menschen - und Bewohner von Lissabon. Proteste hat es auch in der nordportugiesischen Großstadt Porto gegeben. Dort war ebenfalls ein Protestcamp errichtet worden.
In Porto räumten Demonstranten am Dienstag jedoch angesichts der Aussicht auf eine Räumung durch die Polizei ihr Lager selbst. Nach dem Eintreffen der Polizei "haben die Demonstranten ihre Sachen zusammengepackt", teilte der Anwalt der Demonstranten, Tiago Machado, der Nachrichtenagentur Lusa mit.
Die Wohnungsnot ist auch im Nachbarland Spanien ein großes Thema. Im September sorgte die Zwangsräumung der Wohnung der 87-jährigen Rentnerin Maricarmen Abascal für landesweite Proteste. Der Besitzer hatte die Miete massiv erhöhen wollen. Zwar gab es eine Einigung auf eine Rückkehr der Rentnerin in ihre Wohnung - die 87-Jährige verstarb aber, bevor es dazu kommen konnte. Der Streit um die Wohnungspolitik führte dazu, dass Regierungschef Pedro Sánchez Neuwahlen für den 29. November ausgerufen hat.
G.Campos--HdM